Samstag, der 06.10.2018

BudapestWir erreichen Graz nach Überlandfahrt gegen 13:00 h. Das Navi kennt zwar die schnellste Verbindung, führt aber durch einen Ort mit erbärmlichem Straßenzustand. Die Anfahrt zum Stellplatz erscheint ein wenig abschreckend, es geht lange durch die normierten Satelliten-Shopping-Malls, Bau- und Mediamärkte. Der Platz selber liegt aber am Waldrand direkt neben einem imposanten Freibad, welches jetzt aber schon geschlossen ist.

Bisschen Ausruhen und gegen 18:00 h machen wir uns auf den Weg ins Zentrum, mit dem Bus (Grazkarte für 3 Tage 12,40 €) 25 min. Dieser ist auch um 18:20 h noch recht voll. Ziemlicher Rummel auf dem Jakominiplatz, Endhaltestelle der Buslinie. Dies erklärt sich sofort, als wir auf dem Weg zum Steiererhof (Dachrestaurant!) den Stand: Lange Nacht der Museen entdecken. Spontan erwerben wir Karten (12 €).

Doch zunächst: Rauf aufs Dach, windstiller Herbstabend mit Blick auf den Schloßberg und die Stadt, sowie den Jakominiplatz. Entsprechend gut besucht ist es, wir ergattern zwei Plätze und sind überrascht von der Qualität des Essens. Bestellt wird nach einem Baukastensystem, auf dem Zettel kann so, z.B. die persönliche Pizza oder örtliche Küche individuell zusammengestellt werden Auch die Preise (Studentenstadt!) sind mehr als ok.

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BudapestZufrieden können wir also in die Museumsnacht starten. Das Angebot stellt sich als Heft mit 130 Seiten dar, es wird klar: Wir müssen auswählen!

Wir versuchen es zu Fuß, in der Nähe soll das Universalmuseum Joanneum sein. Google Maps weiß zwar wo, dennoch bringt uns erst die dreimalige Nachfrage bei Passanten hin.

Hören wir kurz Wiki: https://de.wikipedia.org/wiki/Universalmuseum_Joanneum

Das Universalmuseum Joanneum, ehemals Landesmuseum Joanneum, ist ein Museum mit 12 Standorten in Graz und in der Steiermark. Benannt wurde es nach Erzherzog Johann, dem Gründer des Museums. Es ist das älteste und nach dem Kunsthistorischen Museum in Wien auch das zweitgrößte Museum Österreichs.

1811 erfolgte die Gründung des Joanneums durch Erzherzog Johann, ursprünglich war es sowohl Museum als auch Lehranstalt. Rund um die umfangreichen naturwissenschaftlichen Sammlungen des Erzherzogs lehrten und forschten mehrere berühmte Wissenschaftler: So entwickelte Friedrich Mohs am Joanneum die nach ihm benannte Härteskala für Mineralien, und auch der Vater der Paläobotanik, Franz Unger, gab hier sein Wissen an Studierende weiter… 1864 wurde das Joanneum in den Rang einer „k.k. Technischen Hochschule“ erhoben, aus der in weiterer Folge die Technische Universität Graz hervorging.“

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Selbst innerhalb des Museum müssen wir auswählen, die Entscheidung fällt für Alfred Hrdlicka und Fritz Martinz. Um nicht zu weit auszuholen, nur kurz etwas zu Hrdlicka. Bei weiterem Interesse hilft selbstverständlich Wiki ( https://de.wikipedia.org/wiki/Alfred_Hrdlicka ).

Alfred Hrdlicka (* 27. Februar 1928 in Wien; † 5. Dezember 2009 in Wien) war ein österreichischer Bildhauer, Zeichner, Maler, Grafiker, Schachspieler und Schriftsteller.

Aufgewachsen ist Alfred Hrdlicka in der politisch unruhigen und von auch gewalttätigen Kämpfen zwischen sozialistischen und konservativen, zunehmend auch nationalsozialistischen Gruppierungen und Parteien geprägten Ersten Republik Österreich. Schon früh wurde er durch seinen Vater, einen Kommunisten und Gewerkschaftsfunktionär, für politische Fragen sensibilisiert… Die Jahre der NS-Herrschaft und den Zweiten Weltkrieg überlebten sein Vater, der zeitweilig Zwangsarbeit in einer Strafkompanie der Organisation Todt leisten musste, und er durch Abtauchen in die Illegalität…Hrdlicka war ein talentierter Schachspieler. Das Spiel erlernte er während der illegalen Zusammenkünfte seines Vaters mit seinen Mitkämpfern in Kaffeehäusern und Beisln, wo er als Alibi bei Kontrollen diente…International bekannt wurde er 1964, als er gemeinsam mit Herbert Boeckl Österreich auf der 32. Biennale in Venedig vertrat. 1966 erlebte Hrdlicka erstmals die Welt psychisch kranker Menschen. Er wurde von diesen Begegnungen dermaßen nachhaltig beeindruckt, dass er sich fortan immer wieder mit dem Leid dieser Menschen, später mit Leid, Angst, Schmerz und der Bedrohung des Menschen schlechthin, künstlerisch auseinandersetzte.

In der Rotunde gibt es die Möglichkeit des persönlichen Gesprächs mit Absolventen der Kunstgeschichte, wir nutzen diese Möglichkeit, Details seien Ihnen erspart. Das Gespräch schärft aber den Blick auf die Ausstellung und ermöglicht tiefer gehendes Verständnis.

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Überhaupt ist die Sicherheitskontrolle im Museum sehr, sehr zurückhaltend, eine solche zugelassene Nähe zu den Objekten erinnere ich für keine anderes Museum. Das Personal darauf angesprochen, erklärt ebenfalls aus dem kunstgeschichtlichen Bereich zu kommen und für das Bedürfnis der Besucher Verständnis zu haben. Natürlich gilt weiterhin: Gucken ja, packen nein. Und im Background gibt es wohl die schnelle Eingreiftruppe, aber diese Lösung schafft eine wunderbar entspannte Atmosphäre.

Eben keine Vergleich mit Folkwang, Essen: „Eh A…loch, gehst Du weg von Linie!“ Fazit: Es geht doch!

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Gegen 22:00 h soll es mit der Straßenbahn weitergehen. Renate schafft jedoch Verwirrung, wir landen an einer Bushaltestelle, keine Straßenbahnschienen. Die Diskussion sei hier ausgeblendet, zu Fuß geht es zurück Richtung Jakominiplatz.

Am Weg liegt der Landtag Steiermark, leider ist 22:00 h schon durch, so dass wir nur noch das Schlusswort der Landtagspräsidentin mitbekommen. In das Renaissancegebäude mit ensprechendem Interieur ist eine moderne Möblierung für die Parlamentsarbeit integriert worden. Der Stilbruch ist nicht vermeidbar, aber dezent und die Notwendigkeit einsehbar.

Immerhin agiert das Parlament seit 2005 vollständig papierlos. Sämtliche Redebeiträge können live verfolgt werden, alle Protokolle – übrigens seit 1861 (!!!)- sind online verfügbar, Tagesordnungen, Einladungen, Anträge werden ausschließlich papierlos erstellt und bearbeitet. Selbstverständlich gibt es eine zuverlässige Authentifizierung.

Machen wir uns mal klar: Das ist Österreich (7 Mio Einwohner), Steiermark: 1,2 Mio Einwohner, und die politische Arbeit ist ganz, ganz vorne dran! Denk ich an Deutschland in der Nacht …

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Leider hat es angefangen zu regnen und der letzte Bus zurück geht um 23:30 h. Wir erreichen ihn, die lange Nacht der Museen in Graz ( https://langenacht.orf.at/state/bl/steiermark/ ) könnte auch im nächsten Jahr, vielleicht besser vorbereitet, auf unserem Programm stehen.

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