Die Gummikuh – BMW R 75/5

R75-5Seit 1976, vielleicht schon Ende 1975 waren die 27 PS und das Hinterherfahren bei den „richtigen“ Motorrädern der Motivationsschub für was Größeres. 50 PS war die magische Grenze für einigermaßen bezahlbare Versicherungsbeiträge, zumindest wenn man ein halbes Jahr abgemeldet hatte. Und darüber hinaus musste ja auch noch studiert werden, der Tag beinhaltete also nicht nur Geld beschaffen und Motorradfahren – auch wenn mir das damals gut ausgereicht hätte.

Zur „Gummikuh“, für die die es nicht wissen, wegen des Boxxermotors, den großen Massen und besonders wegen des Kardans gab der Motorradjournalist Ernst Leverkus den BMWs diesen Namen. Er verglich das deutliche Heben der Hinterradfederung beim Beschleunigen mit einer aufstehenden Kuh -auch diese hebt zuerst das Hinterteil.

Wikipedia ( https://de.wikipedia.org/wiki/Gummikuh ) erklärt den technischen Hintergrund:

In der Folge einer Konstruktionsänderung 1955 mit dem Erscheinen der Vollschwingen-BMW, deren Tellerrad innen am Hinterrad liegt, hebt sich die Hinterradfederung beim Anfahren. Beim Gaswegnehmen tritt der gegenteilige Effekt ein: sowohl vorn als auch hinten sackt die langhubige, komfortable Federung ein, ein Effekt, der zusätzlich auch den Ausdruck „Fahrstuhl-Motorrad“ zeugte. Mit der Einführung des Paralever-Fahrwerks noch bei den späten 2-Ventil-Modellen endete, technisch gesehen, die Ära der Gummikühe, denn das neue Fahrwerk verhindert den „Fahrstuhl-Effekt“ durch eine Elimination der Lastwechselkräfte und Aufstellmomente.

r75-5-2Meiner beschämend schwachen Dokumentation (Baujahr, Vorbesitzer, Preis) kann ich hier nur hinzufügen, dass ich in eigentlich ungeeigneten Kellerräumen – alleine Treppe rauf geht mit trainierter Muskulatur und beherzten Griffen in die Vorderradspeichen – eine Motor- und Getriebeüberholung erfolgreich durchführte.

Motor: Neue Kolben, neue Kurbelwellenlager, Ventile eingeschliffen, Stößel und Nocke ok, Kupplung ebenfalls.

Getriebe: Lager der Vorgelegewelle hatte gerade noch 3 Kugeln, über den Defekt informierte fair schon der Vorbesitzer – damals galt das Wort eines Motorradfahrers noch. Weil das Gehäuse aber die drei Getriebewellen nicht mehr sauber aufnehmen konnte, musste an dieser Stelle doch einmal Meister Schmidt von BMW ran und ein gebrauchtes Ersatzgehäuse. Das ging übrigens so, Meister Schmidt griff hinter sich ins Regal, guckte auf meine wahrscheinlich abgerissene Erscheinung und sagte: „Gib 90 Mark und komm morgen wieder.“ Also nix von Palast mit persönlichem Barista, der irgendeine exotische Kaffeekreation anpreist, aber dafür darf keiner mehr in die Werkstatt – man weiß eigentlich gar nicht, ob es die überhaupt gibt. Ach ja, der derzeitige Kaffeekurs wird in 100 € Schritten auf den Rechnungsbetrag angerechnet, aber das ist eine andere Geschichte.

Warum die Farbestrich-5-sw-003 dann von grün nach blau wechselte ist ein eigener Beitrag: Frankreich 1976. Bei alles im „grünen“ Bereich sei noch erwähnt, das für manche Monate Magurastummel (siehe Schwarz-Weiß-Foto) wenigstens den Ansatz von Racing vermittelten. Das Gefühl wirklich so nahe an der Straße zu sein vermisse ich heute noch.

Nach Frankreich und den 6 höchsten Pässen Europas brachte sie mich zum Nordkapp (Passwort auf Anforderung –> Impressum) und wieder zurück.

Wann ich sie letztlich abgegeben habe kann ich hier nicht mehr genau sagen, es wird um 1980 gewesen sein.

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Aber der Dauertest aus MOTORRAD 02/1973 liegt noch als Pdf vor, ich hoffe doch sehr, dass die jetzige Zeitschrift die Veröffentlilchung nicht abmahnen wird, Test Seiten 12-15.

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