Samstag, der 24.01.2026 Ausruhtag

Salerno ein Tag zum Ausruhen
Samstag, der 24.01.2026

Sind etwas früher aufgestanden, der Bus soll um 10:20 h ab Campinpgplatz in das etwa 10 km entfernte Zentrum fahren. Die Nachbarn gegenüber hatten gestern schon gesagt, sie hätten sich den kleinen Corsa geliehen und wären zur Amalfi Küste gefahren. Natürlich gingen wir davon aus, es wäre ein Autoverleih in der Stadt. Freudige Überraschung der Campingplatz verleiht dieses Auto für den Pauschalpreis von 50 € für einen Tag mit der einzigen Auflage es wieder halb voll zurück zu geben. So können wir den weiteren Tag völlig entspannt angehen.

Bilder: https://wordpress.hol-den-ball.de/piwigo/index.php?/category/175

Bevor es zur Beschreibung der Fahrt in die Stadt geht, mal ein paar Beobachtungen zur Fahrweise und zur italienischen Einstellung zu Alltagsautos. Wenn man mit dem Wohnmobil Italien erreicht hat, erhält man die Lektion: Vergiss die rechthaberische deutsche Fahrweise sofort, hier ist der Leitgedanke (Lektion 1) wie geht es zügig voran und dies möglichst für alle. Lektion 2: Du musst genau wissen, was an den Seiten deines Fahrzeuges geschieht. Meist sind rechts 2 Roller und links drei, also Spurhalten! Auch die gestylte italienische Signora beherrscht den Roller auf den Zentimeter genau und dies bei entschlossener beschleunigter Fahrweise.

Mittlerweile hatte ich ja einige Tage Zeit, mir eine genauere Beschreibung der italienischen Art zu fahren zu überlegen. Der Italiener fährt im Vergleich zum Franzosen noch entschlossener, Geschwindigkeitsbegrenzungen sind bestenfalls Empfehlungen. Radarfallen sind selten und dann in leuchtendem Orange gekennzeichnet. Wenn es in Deutschland mit 20 km/h mehr nur Geld kostet, ist das hier die Eintrittskarte in die angepasste Fahrweise. Der entschlossenere Italiener legt dann gern noch mal +10 km/h oder mehr drauf.

Gleichzeitig fahren sie aber respektvoll, auch wenn bei 2 Spuren schon mal drei aufgemacht werden, geparkt wird überall da wo es möglich ist, auch gern in zweiter Reihe. Die Warnblinkanlage zeigt, werde heute im Laufe des Tages zurück sein. Es wird wenig gehupt, wenn überhaupt nur kurz, falls der Eindruck entsteht, ups der hat mich nicht gesehen und weiter geht die wilde Fahrt. Zusammengefasst: Fahre schnell und entschlosssen, zeige Respekt und alle kommen voran.

Lektion 3: Was war ich stolz eine gewisse Anpassung mit dem WoMo bieten zu können, dann aber das italienische Kennzeichen auf dem kleinen Corsa. Gefühl: Fahranfänger mit drei Tagen Fahrpraxis. Da haben doch alle Italiener Rücksicht auf den behäbigen Deutschen genommen, weil wohl alle wissen, die fahren so komisch.

Statt von vorn herein einen Lebensmittelladen einzugeben, hatten wir zum Zentrum navigiert und erst dann das Ziel zum Einkaufen gesucht. Wir umkreisen dreimal den Straßenblock, dann findet sich ein Conad zwischen Hochhäusern. Aber wo parken? Die Warnblinknummer trauen wir uns nicht, ein Schild weist das blaue P auf, also links ab und es geht auf den Hof einer Autowerkstatt voller geparkter Autos. Es gibt die Auskunft, jo, parken geht, bitte direkt in die Werkstatt fahren. Mit gewissem Misstrauen folgen wir der Anweisung, zumal die weitere Anweisung lautet: Schlüssel stecken lassen. Wir sind gehorsam, der Conad ist klein, aber wir bekommen alles von der Liste. Zurück kleine Parkgebühr (3 €). Das Wetter ist wesentlich schlechter als gestern, daher zurück zum Platz.

Vorher und jetzt geht es zügig zu Lektion 4, noch tanken. Super Norbert, eh wirklich Super? Machen wir es kurz, 10 l Benzin sind getankt, für die Bedingung: Abgabe halb voll. R schaut noch mal auf die Quittung und mahnt an: Es hätte Diesel sein müssen und schei…, das wird teuer.

Am Platz will ich mich nicht so einfach geschlagen geben, der erste Versuch, den Tank mit Schlauch und Absaugen zu leeren funktioniert nicht, also ran an den Dieselfilter, Leitung abziehen und per Plastikflasche und etwa 100 Mal Zündung an, Zündung aus den Tank leeren. Als uns die Glasflaschen ausgehen, bitten wir um einen leeren Kanister, dann um einen zweiten größeren. Nach etwa 1,5 h ist der Tank endlich leer. Der freundliche Campingplatz Chef / Mitarbeiter bringt mich zur Tanke, 10 l Diesel können erworben werden. Tank auffüllen und Startversuch. Auto Läuft, Geröllhalde fällt vom Herzen. N mit dem Corsa zur Tanke und Tank ganz voll. Auf der Rückfahrt noch ein bisschen aufschaukeln, damit sich Benzinreste vermischen.

Selbstverständlich bieten wir Schadenersatz an, aber hier wird eine weitere italienische Eigenschaft deutlich, der Italiener verachtet den Gebrauchsgegenstand Auto. Die Ansage ist: Alles gut, wird schon fahren. Jetzt stelle man sich dies mal bei einem deutschen Autovermieter vor, will ich garnicht dran denken. Also hier, herzlichen Dank für die italienische Einstellung, ist schon was dran an: „Ich habe gar kein Auto“, habe da was, was mich von A nach B bringt. Dies mag, siehe zum Beispiel Museum Mille Miglia in Brescia, für die besonders schönen Autos völlig anders sein, aber für den Alltagsgegenstand hat der Italiener nicht mal ein Schulterzucken übrig. Anmerkung: Foto zeigt das alte Kennzeichen (bis 1999), rechts ist die Provinzabkürzung zu sehen. Übrigens verbleibt das Kennzeichen beim Fahrzeug, wie in den Niederlanden. Könnte man in Deutschland auch mal dringend einführen. Das ewige Schilderneupressen für bescheidene 30 € würde entfallen und bei 3 Mio Arbeitslosen würde die drei Schilderpresser wohl nicht ins Gewicht fallen.

Themenwechsel: Der Versuch Pizza zu bestellen schlägt fehl, der Italiener speist erst gegen 20:00 h. Also Abendessen an Bord. Bei unseren Tankentleerungsübungen stellt sich heraus, das die mittlerweile einzigen Nachbarn Canadier sind, auf dem WoMo deutsche Kennzeichen. Ist in Rom geliehen, es gibt etliche Stützpunkte, daher deutsches Kennzeichen. So erklärt sich auch, warum meine begrüßenden deutschen Sätzen mit einem sehr fragenden Gesichtsausdruck beantwortet wurden.

Nach dem Abendessen sitzen wir bei uns noch zusammen, Trainingscamp Französisch für N, Roger und Liz kommen aus Montreal, dort ist Englisch nur ungern gewollt. Aber hier kommt es dann 2sprachig, immer wieder wechselnd und mit Hilfe von Google Translate, zur regen Unterhaltung.

Nachts frischt der Wind auf, draußen auf dem Meer wieder Wellengang, morgens 6 in Böen 8, 8/8 Bedeckung, Schauer.

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